10:18

I
Ich habe Wörter in den Mund genommen, mir ist so schlecht. Als ob ich  verdorbenes Essen zu mir genommen habe.

II
Mein Herz ist so voll wie mein Magen.

III
Doch es hat wieder nicht geklappt.

IV
Aus deinem Herzen bin ich verschwunden wie ein Loch in deiner Herzwand.
Gewebeband.

V.
Ich werde eine Hand finden, die in meine passt.
Ein zu Hause. (Ich dachte, ich hätte Familie gefunden).
Und Du wirst noch einmal Vater werden.
(Jeder Abschied ist die Geburt einer Erinnerung)

Das Schweigen nimmt sich einen Stuhl und setzt sich neben uns.
Ich beobachte deine Handschrift wie sie neues Land erobert, vorsichtig setzt der Stift an. Orange. Ein Zögern. Oder doch ein Abwarten.
Ich schaue auf deine Schuhe. Das Karamellbraun, das mir schon bei deinen ersten Schritten in meinen Gedanken kleben geblieben ist wie die Serviette aus dem Eiscafe als der Eisbecher für zwei einfach gegangen ist ohne ein Auf Wiedersehen.
Ich war eine Krähe. Ich trug an dem Tag nur Schreie,während Du in deinem marineblauen Anzug neben mir auf den Konzertstühlen saßt und in See stachst, deine Lippen die Mündung. Ich warf den Anker. Ohne Erfolg. Wir ließen uns treiben. Aufs offene Meer. Weit hinaus. Eine Schaumkrone auf deiner Oberlippe.Ganz schal schmeckten deine Lippen – dünn.
Schweigen entfalten wie eine Seekarte.
In unserer Stille atmeten nur noch unsere Wörter. Und in den Ästen deines Atmens verfingen sich meine Haare.
Es ist warm. Ich habe keine Tränen mehr und ich trinke Wasser, still, um meine Regentonne wieder aufzufüllen.
Ich wollte keine Liebegeschichten mehr schreiben.
Und doch sitze ich jetzt hier und gebe doch wieder eine Lesung und schreibe Dir in das Buch deiner Lebensgeschichte ein Autogramm.
Für Elder G.
Und ich fasse mir an den Hals. So wie Ich mit Dir geredet habe, es stößt mir sauer auf.
Ich habe Wörter in den Mund genommen, mir ist ganz flau. So, als ob ich verdorbene Lebensmittel gegessen habe. Mit der Gabel jedes Wort einzelnd aufgenommen wie eine Tonspur.
Mir wird schlecht.
Die Wellen brechen.

Abschied nehmen ist die Geburt einer Erinnerung.
Das Schweigen entfalten wie eine Landkarte.
Ich habe gestern Wörter in den Mund genommen, mir ist ganz schlecht. So, als ob ich verdorbene Lebensmittel zu mir genommen habe.
Sprich nicht.

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